Forscher-Netzwerke gegen Viren

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Am Denguefieber erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Jahr rund 50 Millionen Menschen. „Gegen das Dengue-Fieber stehen bis heute weder Impfstoffe noch Medikamente zur Verfügung“, erklärt Professor Rolf Hilgenfeld, Direktor des Instituts für Biochemie der Lübecker Universität. „Das liegt unter anderem daran, dass das Interesse der Pharmaindustrie eher gering ist – im Vergleich zu anderen Krankheiten ist beim Denguefieber nicht mit einer langfristigen Medikation zu rechnen.“

100 internationale Virenforscher aus 25 Ländern beim Symposium in Lübeck

Hoffnung im Kampf gegen das Dengue-Virus verspricht das neu gegründete „Dengue Research and Drug Development Network“, dessen Startschuss auf dem 9. Symposium des „International Consortium for Anti-Virals“ (ICAV) in Lübeck fiel. Ziel des internationalen Expertennetzwerks ist die Entwicklung von Medikamenten gegen das Denguefieber. Vom 10. bis 13. Oktober hatten sich rund 100 Virenforscher aus 25 Ländern an der Universität Lübeck getroffen, um Strategien im Kampf gegen Viruserkrankungen wie das Denguefieber zu entwickeln. 2,5 Milliarden Menschen leben ständig mit dem Risiko einer Infektion. In vielen Fällen überstehen die Betroffenen die mit hohem Fieber einhergehende Krankheit nach einigen Tagen oder Wochen unbeschadet. Ein kleiner Teil der Erkrankten stirbt jedoch an inneren Blutungen oder dem Dengue Shock Syndrome (DSS).

Chikungunya-Krankheit wieder ausgebrochen

Auch einem weiteren tropischen Virus haben die Forscher in Lübeck den Kampf angesagt: Der Erreger der Chikungunya-Krankheit – das Wort bedeutet in der ostafrikanischen Makonde-Sprache so viel wie „der verbogen ist“ – ist das Forschungsobjekt des ebenfalls in Lübeck gestarteten Programms AntiCHIK NewIndigo. An Chikungunya Erkrankte leiden nicht nur unter hohem Fieber, sondern auch unter mehrere Monate anhaltenden, starken Gelenkschmerzen, so dass sie nicht mehr aufrecht gehen können – daher der Name der Krankheit. Chikungunya galt bereits als so gut wie ausgerottet, tritt aber seit etwa 2005 wieder verstärkt auf: Aktuell sind allein in Indien über zwei Millionen Fälle bekannt. Als Ursache dieser neuen Ausbreitung vermuten die Forscher eine Mutation, die dazu geführt hat, dass das Virus seit Kurzem von der relativ aggressiven asiatischen Tigermücke Aedes albopictus übertragen werden kann.

Gefahr auch für Europa?

Beiden Krankheiten gemein ist, dass sie bisher vorwiegend in den tropischen Breiten in Asien und Afrika anzutreffen. Das könnte sich allerdings in absehbarer Zeit ändern. Einen ersten kleinen Ausbruch mit 277 Fällen von Chikungunya-Fieber hat es 2007 bereits in Italien in der Nähe von Ravenna gegeben – aufgrund der Erderwärmung hat sich hier seit einigen Jahren die asiatische Tigermücke angesiedelt. „Damals war ein Indienreisender infiziert zurückgekehrt und dann von der Tigermücke gestochen worden. Kurze Zeit später waren beinahe 300 Menschen krank“, verdeutlicht Virenforscher Hilgenfeld. Im September dieses Jahres ist außerdem erstmals in Europa ein Mann am Denguefieber erkrankt, ohne dass er sich zuvor in typischen Infektionsgebieten aufgehalten hatte. Als Überträger vermuten Virenforscher auch hier eine Mutation, die die Übertragung durch die asiatische Tigermücke möglich macht. Bisher war vor allem die ausschließlich in Afrika und Asien heimische Mückenart Aedes aegypti für die Ausbreitung von Denguefieber verantwortlich.

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